Islam-Ein Erklärungsversuch-Teil 4

Ehe und Scheidung

Zunächst noch mal zur Erinnerung: Beziehungen zwischen Mann und Frau ohne Ehe sind im Islam verboten. Insbesondere der Geschlechtsverkehr zwischen Personen die nicht miteinander verheiratet sind zählt zu den größten Sünden.

Moral ist ebenso wichtig wie verantwortungsvolles Handeln. Aus diesem Grund ist eine Ehe nicht einfach eine Art Zusammenleben mit Trauschein, sondern gleicht eher einem Vertrag den beide Partner miteinander eingehen und zwar in der Absicht den Rest des Lebens miteinander zu verbringen. In guten, wie in schlechten Tagen.

Wie im Geschäftsleben auch kann es natürlich vorkommen das ein Vertrag aufgelöst werden muss, aber in der Regel schließt man keinen Vertrag in der Absicht in anzufechten oder zu beenden.

Aus diesem Grund ist natürlich die Einwilligung notwendig. Dazu gibt es folgende Überlieferung:

Abu Huraira berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Eine Frau, deren Wiederverheiratung* bevorsteht, darf nicht verheiratet werden, bis sie dies selbst zulässt. Dagegen darf eine Jungfrau erst verheiratet werden, wenn sie zuvor nach ihrer Einwilligung gefragt wurde.“ Einige Leute fragten: „O Gesandter Allahs, wie sieht dann ihre Einwilligung aus?“ **Der Prophet sagte: „Indem sie schweigt!“***

(*D.h., die verwitwete oder geschiedene Frau, die zum zweiten Male eine Ehe eingeht.

**=weil sie als Jungfrau so schamhaft und schüchtern ist, um eine verbale Einwilligung zu geben.

***Ist die Jungfrau mit einer Verheiratung nicht einverstanden, so wird sie sich eher wehren und ein Nein geben können.

Womit auch klar dargelegt ist das Zwangsheirat kein Bestandteil des Islams ist.

Die Ehe ist also ein wichtiger Bestandteil des Lebens von Muslimen. Ehepartner haben die Aufgabe sich gegenseitig zu ergänzen.

Sure 30

Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch aus euch selber schuf, auf dass ihr Frieden bei ihnen finden möget; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Hierin liegen wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.

In einer Ehe gilt wie Grundsätzlich im Islam das Interesse am Frieden.

Es berichtet Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs (sws) sagte: „Ein gläubiger Ehemann soll niemals seine gläubige Frau hassen. Wenn er eine bestimmte Angewohnheit von ihr nicht mag, so mag er doch eine andere bei ihr finden, die ihm gefällt.“

Das Streit vorkommt lässt sich nicht immer vermeiden, aber dieser sollte so schnell und gut wie irgend möglich wieder beigelegt werden. In diesem Zusammenhang kann man auch die Sure 4 anführen in der wir jenen Vers finden der gern zitiert wird wenn es um das Thema Schlagen der Frau geht:

Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß.

Betrachten wir das etwas genauer:

Zum einen wird hier als Ausgangspunkt „Widerspenstigkeit“ genannt. Laut wisssen.de ist dies ein Synonym für:

Trotz, Eigensinn, Eigensinnigkeit, Dickköpfigkeit, Sturheit, Starrsinn, Starrsinnigkeit, Eigenwilligkeit, Widerborstigkeit, Halsstarrigkeit, Rechthaberei, Verbohrtheit, Unbelehrbarkeit, Aufsässigkeit, Protesthaltung, Kratzbürstigkeit, Hartnäckigkeit, Uneinsichtigkeit

Das sind alles Verhaltensweisen die nicht unbedingt für einen „normalen“ Streit stehen, wie er meist statt findet, wegen Geld,oder anderen Alltäglichkeiten. Vielmehr ist es etwas was meist erst nach längerer Zeit wirklich zu übergroßer Verärgerung führt und einen eben diese Widerspenstigkeit fürchten lässt- also derart nervt/ärgert, das man es nicht mehr hinnehmen und/oder übergehen kann/will.

Und selbst dann geht es darum das Problem auf andere Art zu lösen, nämlich zunächst einmal durch Ermahnung, also reden und darauf hinweisen. Oftmals kann damit die Sache schon beendet sein.

Erst wenn das nicht hilft kommt der nächste Schritt, denn heftigen Streit haben und diesen nicht beenden sondern einfach nur zu übergehen in dem man Geschlechtsverkehr hat ist nicht wünschenswert. Es sichert nicht den Frieden  und das Problem selbst wird dadurch nicht verschwinden.

Sollte das alles nichts nützen kommt der letzte Schritt,wobei zu überlegen ist ob sich dadurch letztlich die Situation verbessert. Denn das ist immer das Ziel. Wenn nicht ist es sicher ratsamer eine Scheidung in Betracht zu ziehen, denn auch wenn hier das Schlagen erlaubt ist, ist es letztlich nicht wünschenswert und darf auf keinen Fall zu sichtbaren Verletzungen führen.

Es berichtet Abu Huraira (r), dass der Prophet (s) sagte: „Der vollendetste Muslim in Glaubensangelegenheiten ist derjenige, der ein vorzügliches Benehmen hat; und die Besten unter euch sind jene, die ihre Ehefrauen am besten behandeln.“

Die Erlaubnis zum Schlagen darf man hier nicht missverstehen, denn zum einen ist Schlagen nicht gleichbedeutend mit Zusammenschlagen, und zum anderen ist es das allerletzte Mittel, sofern überhaupt die Hoffnung besteht das es nützt um danach eine harmonische Ehe zu haben. Nicht zuletzt muss man auch beachten das verschiedene Übersetzer diese Stelle aus gutem Grund unterschiedlich übersetzen. „Schlagen“ ist wohl die einfachste Übersetzung, ist aber vom Sinn her nicht unbedingt richtig. Daher heißt es in manchen Übersetzungen „Klaps geben“ oder auch „strafen“. Tatsächlich gibt es mehrere Hadith die darlegen das „Schlagen“ als solches als unerwünschtes Verhalten gilt und der Propheten (sallallahu aleyhi wa sallam-Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) erwähnte mal das er jemanden , der ihn verärgert hat mit einem Siwak schlagen wollte:

„Wenn ich nicht wüsste, dass es im Jenseits Vergeltung gibt, hätte ich dich mit diesem Siwak geschlagen.“

Wir sehen, unter „schlagen“ verstand er keine Prügel, sondern einen bestenfalls leichten Hieb mit einem Ästchen, aber er hat darauf verzichtet weil er weiß das es falsch ist und er dafür von Gott gestraft wird.

Wichtig ist auch der nächste Vers der Sure und dort heißt es:

Und wenn ihr Widerstreit zwischen den beiden befürchtet, dann setzt einen Schiedsrichter aus seiner Familie und einen Schiedsrichter aus ihrer Familie ein.

Und am Ende sind wir wieder bei bereits erwähnter Überlieferung das die besten diejenigen sind die ihre Frauen am besten behandeln und dem Vorbild des Propheten (sallallahu aleyhi wa sallam-Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) folgen, der seine Frauen nie geschlagen hat.

Und zum letzten missverständlichen Teil des Verses:

Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat

Gibt es nun doch eine Benachteiligung oder gar Unterdrückung der Frau? Womit sind Männer ausgezeichnet?

Manche meinen mit Aussehen oder besseres Denken, aber das sind rein menschliche Interpretationen, denn sie sind unlogisch und widersprechen der Realität. Jeder von uns hat doch schon mal einen Mann gesehen der nicht gut aussieht, selbst wenn wir es auf innere Schönheit beziehen würden und jeder hat irgendwann mal einen Mann erlebt der alles andere als gut gedacht hat. Außerdem haben wir bereits gesehen das für Gott nur Gottesfurcht zählt und Äußerlichkeiten oder Oberflächlichkeiten keine Rolle spielen.

Eine Hilfe ist folgende Überlieferung:

Ibn Umar (r.) berichtete, dass der Prophet (s.a.s.) gesagt hat: „Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für das, was er zu behüten hat. So ist der Befehlshaber (arab. amir) ein Hüter und verantwortlich; ebenso ist der Mann ein Hüter hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts; die Frau ist Hüterin hinsichtlich des Hauses und der Kinder ihres Ehemannes. So ist also jeder von euch ein Hüter und jeder ist verantwortlich für das, was er zu behüten hat

Die Auszeichnung besteht also in den unterschiedlichen Rollen. Den Mann zeichnet aus das er die Verantwortung für die Familie trägt und sich um die Versorgung zu kümmern hat. Die Frau zeichnet aus, das sie als Ergänzung des Mannes die Kinder und das Haus in ihrer Verantwortung hat.

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