Islam-Ein Erklärungsversuch Teil 2

Nachdem ich nun letztes Mal etwas über das Kopftuch geschrieben habe, kommen wir diesmal zum Dschihad.

Dschihad bedeutet übersetzt „Bemühung“ oder „Anstrengung“, nicht aber Heiliger Krieg.

Der heilige Krieg ist etwas das wir dem Christentum verdanken. Angefangen mit Augustinus von Hippo (354-430) der die Idee des gerechten Krieges entwickelte über Bernhard von Clairvaux (1090-1153)der es für besser hielt die „Rotte der Sünder“ zu vernichten als zuzulassen das sie über die Gläubigen herrscht, bis hin zu Thomas von Aquin (1225-1274), der meinte Militärische Aktivitäten müssen die Verteidigung des Gemeinwohls, der Armen und der Unterdrückten und der Kirche zum Ziele haben.

Aber: Ein Krieg ist im Islam niemals Heilig.

Warum?

Muslime begrüßen sich mit der Formel: As salam alaikum=der Friede sei mit dir. Die Antwort lautet: Wa alaikum as salam= Und der Friede sei auch mit dir.

Friede ist also die Grundeinstellung. Dieser Friede soll erhalten und gepflegt werden. Mittel sind der freundliche und entgegenkommende Umgang, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Gerechtigkeit… Kurz: alles was gut ist um jeden Streit zu vermeiden und Konflikte zu verhindern. Auch zu Kompromissen muss man bereit sein.

Wenn alles nichts hilft und es zu einem Krieg kommt, ist das also zunächst einmal eine Niederlage. Anders als die Kirche gehen wir also nicht davon aus das Krieg und Vernichtung besser ist.

Noch mal zurück zum Begriff Dschihad= Anstrengung/Bemühung

Anstrengen und Bemühen tun wir uns alle. Wir bemühen uns gesünder zu essen, die nächste Diät an zu gehen, mehr Sport zu machen, unsere Arbeit zu schaffen, Schüler bemühen sich um gute Noten,…

Die Pflicht eines Muslims besteht darin nie mit dem Bemühen auf zu hören, vor allem aber sich um alles zu bemühen was gut ist, egal wie viel Anstrengung dafür nötig ist.

Das heißt:

  • egal wie wütend ich gerade auf jemanden bin-ich bleibe ruhig.
  • egal wie müde ich bin- ich steh zum Frühgebet auf
  • egal wie schwierig es ist- ich höre auf zu rauchen

Diese Liste kann man beliebig weiterführen. Sicher hat jeder etwas was er gern ändern/verbessern möchte, aber es ist mühselig. Wer sich jedoch bemüht, der ist gerade mit einem Dschihad beschäftigt. Solange es im Sinne Gottes ist, worum man sich bemüht. Und gut im Sinne Gottes ist nicht andere zu verletzen, zu betrügen oder ähnliches. Im Quran, Sure 9 heißt es dazu:

Sprich: „Wenn eure Väter und eure Söhne und eure Brüder und eure Frauen und eure Verwandten und das Vermögen, das ihr euch erworben habt, und der Handel, dessen Niedergang ihr fürchtet, und die Wohnstätten, die ihr liebt, euch lieber sind als Allah und Sein Gesandter und das Kämpfen für Seine Sache, dann wartet, bis Allah mit Seiner Entscheidung kommt; und Allah weist den Ungehorsamen nicht den Weg.“

Sich zu bemühen Vermögen zu sammeln ist also nicht die Art Bemühen die gemeint ist. Auch nicht das Interesse an dem Wohnort.

In Sure 4 heißt es dazu:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“ Jene aber, – ihr Zufluchtsort wird die Hölle sein, und (wie) böse ist der Ausgang!

Also: bevor wir zur Waffe greifen, auch wenn wir unterdrückt werden, packen wir ein paar Sachen zusammen und gehen.

Zwei Hadithsammler brachten uns folgende Überlieferung:

Abu Said al-Khudri (r) überliefert, dass der Prophet (sallallahu aleyhi wa sallam-Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sagte: „Der beste Dschihad ist ein wahres Wort zu einem ungerechten Herrscher.“

Dschihad kann also keinen Egoismus, Habgier oder ähnliches als Basis haben. Es geht auch nicht um materielle Interessen oder“weltliches“. All das was einem nichts nützt wenn man stirbt ist unwichtig. Dazu gehört auch die Nationalität. Wegen dieser Dinge führt man keinen Krieg.

Was ist jetzt aber mit dem Krieg?

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Wenn jetzt also alles besser ist als Krieg, inklusive Heimat verlassen (sofern möglich), dann ist auch klar, das Angriffskriege auf jeden Fall verboten sind. Natürlich muss niemand sich einfach töten lassen. Notwehr ist selbstverständlich erlaubt und schließt die Verteidigung der Familie mit ein.

Im Quran,Sure 2 heißt es dazu:

Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter.

Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.

Wenn sie jedoch aufhören, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig

Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist. Wenn sie jedoch aufhören, dann darf es kein feindseliges Vorgehen geben außer gegen die Ungerechten.

Gestattet ist also der Krieg wenn das Volk aus religiösen Gründen Verfolgt wird, aber alles mit Maß und sobald die Verfolger ihre Kriegshandlungen einstellen ist der Krieg beendet.

Wichtig ist vor allem das diese Verse zusammen gehören. Denn manch einer pflegt sie von einander abzukoppeln und nur die Passage zu zitieren wo alle getötet werden sollen, egal wo sie sind. Aber das ist so nicht richtig.

Und noch etwas ist wichtig: Es ist erlaubt gegen die zu kämpfen von denen man bekämpft wird, aber nicht gegen diejenigen die einen nichts tun. Zivilisten und Tiere, z.B. dürfen folglich nicht bekämpft werden.

Sure 5 beinhaltet folgenden Vers:

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land.

In Sure 16 finden wir folgenden Vers:

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.

Betrachtet man die einzelnen Verse zeigt sich ziemlich gut, das selbst falls ein Krieg statt findet dieser nur das unbedingt Notwendige an Handlung erlaubt.

Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen. Wer nun an die Götzen nicht glaubt, an Allah aber glaubt, der hat gewiß den sichersten Halt ergriffen, bei dem es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend, Allwissend.

Dieser Vers aus Sure 2 zeigt noch mal sehr gut das niemand gezwungen werden darf etwas zu tun, was er nicht will. Egal ob die Person sich für das Richtige oder Falsche entscheidet, es ist der gewählte Weg und der kann nicht mit Zwang geändert werden. Denn alles was wir tun, ist eine Sache des Charakters, des Herzens. Wer schlechtes tun will, hat einen schlechten Charakter- das kann man durch Zwang nicht ändern. Das Gute und Richtige zu tun, muss also eine Entscheidung des Herzens sein, eine Überzeugung die man vertritt.

Noch eine Überlieferung:

Der Prophet Mohammed (sallallahu aleyhi wa sallam-Allah segne ihn und schenke ihm Frieden). sagte: „Wer einem Juden oder Christen Unrecht tut, gegen den trete ich  selbst als Ankläger auf am Tage des Gerichts!“

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