Islam- Ein Erklärungsversuch

Eigentlich weiß ich es. Viele verstehen Islam oder Teile davon nicht, oder aber sie verstehen es falsch. Ist auch kein Wunder. Islam, obwohl schon so lange Muslime in Deutschland leben, ist immer noch irgendwie exotisch, fremd und dank diverser Medien und Politiker eben auch beängstigend.

Ich finde es immer schön, wenn Menschen sich nicht zurück ziehen, sondern sich Neugier bewahren und sich einfach auch mal informieren. Nicht in der Zeitung mit den vier Großbuchstaben, sondern bei denen, die dazu gehören um mal aus erster Hand Infos zu bekommen.

Leider ist das immer noch eine Seltenheit.

Wer traut sich einen Gothikanhänger zu fragen was ihn zu dieser Einstellung gebracht hat, was es für ihn bedeutet, oder einfach was Gothik ist- abgesehen von schwarzer Kleidung?

Lieber besorgen wir uns das Wissen über etwas aus Büchern, Zeitungen, dem Fernsehen oder wir beobachten Leute und denken viel zu oft das wir dann bestens informiert sind.

Mag sein das diese Taktik ab und zu funktioniert. Leider nicht immer.

Ich habe die letzten Tage eine Seite im Internet gefunden die sich mit dem Orient beschäftigt. Speziell mit Jordanien,Libanon,Syrien und Türkei. Auch die Rubrik „Islam“ gibt es und damit die Versuche zu erklären.

Leider ist die Grundintension oft ziemlich untergegangen, finde ich. Vielmehr wird dort auf einzelne Personen oder Staaten eingegangen, aber auch ein Staat der sich als islamisch sieht ist nicht Islam, er bekennt sich nur zu dieser Religion, was nicht heißt das alles 100% Islam ist und das Menschen nicht perfekt sind weiß eigentlich jeder. Wichtiger wäre es tatsächlich den Islam zu betrachten und das eignet sich dann z.B. auch für eine Gesprächsgrundlage mit Muslimen.

Last but not least muss man sehen, das die Autorin der Seite, eben keine Muslima, den Islam an einigen Stellen auch nicht richtig verstanden hat, weil ihr dafür Infos fehlen, was zu Mutmaßungen und Irrtümern führt.

Ich will versuchen das ganze mal ein wenig zu erklären.

Beginnen wir mal mit dem Thema Kopftuch.

Es gibt eine Reihe Leute, die immer gern darauf hinweisen das sich das Kopftuch nicht im Quran finden lässt. Natürlich nicht! Das Kopftuch könnte man als Modetrend bezeichnen.

Es gab eine Zeit da haben Frauen, quadratische Tücher zum Dreieck gefaltet, diese aufgesetzt und mit Knoten unterm Kinn geschlossen-auch hier in Deutschland üblich und oft bei älteren Damen immer noch zu sehen. Heute haben viele statt dessen einen dünnen, langen Schal der auf unterschiedliche Art und Weise um den Kopf drapiert wird. Noch nicht durchgesetzt hat sich der feminine Turbanlook- vielleicht kommt das noch. Es geht also nicht darum ein Kopftuch zu tragen, es geht darum bestimmte Körperteile zu bedecken. Das könnte man auch mit einem großen Laken, Hut und Schal oder irgendwie anders. Daher findet sich das Kopftuch nicht im Quran.

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Warum nutzen dennoch fast alle das „Kopftuch“ also ein Tuch das für den Kopf verwendet wird?

  1. Weil es am Praktischsten ist
  2. Weil in Sure 33 darauf hingewiesen wird das man erkannt wird (als Muslima).

Wer würde eine Frau als Muslima erkennen wenn sie mit Mütze und Schal auf der Straße läuft?

Sinn und Zweck ist es damit zum Ausdruck zu bringen das man Muslima ist und nicht belästigt werden möchte. Für Muslime zählt der Grundsatz: keine Beziehung vor der Ehe. Also Anmache nicht erwünscht.

Nun gibt es ein kleines Problem was dazu führt das es unterschiedliche Ansichten zum Thema Umfang der Bedeckung gibt.

Für Muslime zählt nicht nur der Quran, sondern auch die Überlieferungen des Propheten (sallallahu aleyhi wa sallam-Allah segne ihn und schenke ihm Frieden). Überlieferungen sind Dinge die er gesagt oder getan hat. Augenzeugenberichte könnte man das nennen.

Wir sind da sehr knauserig und akzeptieren nicht alles und jeden.Das läuft u.a. nach dem Motto: wer einmal lügt dem glaubt man nicht… Es ist also wichtig das vertrauenswürdige Personen dies weitererzählt haben und es ist wichtig wer es wem erzählt hat, bis es aufgeschrieben wurde. Das Ganze ist eine Wissenschaft, ein Studium und sobald es auch nur den geringsten Zweifel gibt, zählt es nicht mehr als Sahih (Gesund) Und Zweifel gibt es auch, wenn die Überlieferungskette unterbrochen ist, die Überlieferung fehlerhaft ist oder sich ein Widerspruch zu authentischen Überlieferungen findet. Eine sehr komplexe Sache also.

Das sollte man auf jeden Fall wissen.

Nun haben wir also eine Überlieferung(Hadith):

Aischa berichtet: „Asmâ binti abû Bakr (ra) erschien in freizügiger Kleidung vor dem Propheten (saw). Dieser wendete sich von ihr ab und sprach: „O Asma! Wenn die Frau ihre Geschlechtsreife erlangt hat, dann sollte nichts von ihr zu sehen sein außer diesem!“Und er zeigte auf sein Gesicht und seine Hände.“

Einige weisen nun darauf hin das Asma die Schwägerin des Propheten war und meinen nun, das wenn eine Verwandte Gesicht und Hände zeigen darf, dann müssen Fremde das verstecken.

Andere wiederum weisen darauf hin, das Der Hadithsammler Abu Dawud selbst meinte das dieser Hadith schwach sei und das letzte Problem:

Die Begriffe, die im Quran verwendet werden, wie Chimar, Jilbab sind nicht so eindeutig. Übersetzt werden sie in der Regel mit Tücher oder Gewänder, aber was genau bedeutet das? Wie sahen diese Gewänder damals aus, was haben sie alles bedeckt, was frei gelassen?

Heute haben wir also Frauen die „normale“ Kleidung tragen mit Kopftuch, Frauen mit Burka und Frauen mit Tschador oder Abaja, mit und ohne Niqab(Gesichtsschleier).

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Das eine zu erlauben, das andere zu verbieten ist allerdings problematisch, denn der Islam sagt klar, das jeder Mensch am Tag des jüngsten Gerichtes für sich selber gerade stehen muss.

Wenn ich also weiß das die Bedeckung des Kopfes notwendig ist und ich tue es nicht, dann hab ich das zu verantworten. Niemand sonst. Es ist also eine Frage des Gewissens. Wenn eine Frau also aus Gründen der Überzeugung  einen Gesichtsschleier trägt ist es kein Geschenk und wahrlich nichts Gutes ihr dies zu verbieten. Vielmehr besteht die Gefahr das sie nicht mehr auf die Straße gehen mag und in der Wohnung bleibt. Das ist letztlich eine Form der Ausgrenzung denn so kann sie am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben.

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Amira-Style=2teiliges Kopftuch, fertig genäht zum überziehen

Es mag, das will ich gar nicht bestreiten schwierig sein, mit jemanden zu sprechen, den man nicht ins Gesicht sehen kann, aber das ist nur deshalb so, weil unsere Gesellschaft sehr auf die Augen fixiert ist. Alles wird in hübsch und hässlich eingeordnet,sehen ist wichtiger als alles andere.

Die Frage die wir uns stellen müssen ist aber: Was ist besser? Ein Menschen mit gutem Aussehen, oder ein Mensch mit gutem Charakter?

Und noch etwas: Blinde Menschen können nicht sehen, dennoch reden sie mit anderen. Nicht nur mit Blinden, sondern auch mit Nicht-Blinden.

Können wir dann nicht auch einmal unsere Fixierung auf Äußerlichkeiten beiseite schieben?

 

Fortsetzung folgt – Einfach auf die Schlagwörter in der Seitenleiste klicken oder die Suche verwenden

Dschihad

Stellung der Frau allgemein und bezüglich Erbe

Ehe und Scheidung

 

 

 

 

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